Underlying Structure 

Die medienübergreifende Ausstellung Underlying Structure untersucht anhand der Arbeiten von Holger Trepke, Kim Annika Welling, Liz Dawson, Tobias Giemza und Ulrike Paul die Bedeutung darunterliegender Strukturen im künstlerisch-visuellen Bereich. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, ob eine Unterscheidung zwischen Geborenem – das natürlichen Ursprungs ist – oder Gemachtem – das vom Menschen konstruiert ist – möglich und inwiefern dies für den jeweiligen Künstler relevant ist.

Kim Annika Welling hat für die Ausstellung eine neue Stickarbeit angefertigt, bei der das Material zum Thema wird. Die Darstellung eines Stickfadens, ausgeführt mit eben jenem Faden. Das Farbspiel und die Struktur des Fadens wird durch Vergrößerung und weißem Hintergrund sichtbar. Insgesamt drei Fäden liegen als natürliches, aus dem Zufall geborenes Arrangement vor dem Betrachter. Die Arbeit fängt einen von unendlich vielen möglichen Zuständen der Fadenkomposition ein und transformiert diesen zu einem festen, in langwieriger Arbeit, hergestelltem Werk.

Um eine Inszenierung des Vorgefundenen geht es auch bei Liz Dawson. Ihre Bilder und Zeichnungen entstehen nach in ihrem Atelier angefertigten Miniatur-Modellen. Es handelt sich bei diesen Modellen weder um Kopien noch um Reproduktionen, sondern sie formen vielmehr das Erkennbare um und heben es auf eine ganz eigene Art hervor. Der Frage des Maßstabs misst sie, wie auch die anderen gezeigten Künstler, eine wichtige Rolle zu. In ihrer aktuellen Arbeit erforscht Dawson die visuellen Unterschiede zwischen Formen, die geboren oder gemacht sind, und wie man diese Unterschiede benutzen kann, um mit dem Kontext zu spielen.

Wie auch bei Liz Dawson liegt der Fokus von Ulrike Pauls Arbeit darauf, wie visuelle Bilder wahrgenommen und und kategorisiert werden. 
Für Ulrike Pauls Mehrkanalvideoinstallation Von Pilzen und anderen Wolken bildet eine über Jahre angelegte Sammlung von Zeitungsbildern verschiedenster Wolkenarten den Ausgangspunkt. Durch Einscannen und teilweise extremes Vergrößern neu definierter Bildausschnitte werden die Rasterpunkte des Zeitungsdruckes hervorgehoben und die Unterschiede zwischen Explosions-, romantischen Schönwetterwolken, Reproduktionen von Gemälden, Atompilzen und anderen Wolkenarten verwischen. Die Wolken sind verschiedenen Kategorien zugeordnet und werden diaschauartig gezeigt, bestimmte Bilder werden hervorgehoben und länger projeziert. Dadurch entstehen immer neue Konstellationen und Assoziationsräume. Es sind Abbilder von Ereignissen zu sehen, die jeder Betrachter sofort wieder erkennt, da sie in den Medien eine so große Beachtung gefunden haben, sowie solche, die nicht zuzuordnen sind.

Holger Trepkes Installation Pachtwasser liegt dagegen eine andere Herangehensweise zugrunde. Ausgangspunkt war ein real existierender Flusslauf, der in den achtziger Jahren im Zuge einer Flurbereinigung begradigt wurde und sich seit einigen Jahren, aufgrund eines Renaturierungsprojektes, wieder zu einem natürlichen Flusslauf entwickelt. Unter Heranziehung von Kartenmaterial entwickelte Trepke das auf dem Boden liegende Objekt, das je nach Ausstellungssituation eine Länge bis zu 9 Meter aufweisen kann. Er verwendet zum einen existierendes Material, eine verzinkte Dachrinne, zum anderen baut er in akribischer Feinarbeit eine Brücke im Maßstab 1:64 nach. 
Allerdings sind Trepkes Modelle keine bloßen Abbildungen eines Originals, sie sind vielmehr der Versuch, den Archetyp dahinter zu finden. Sie sind also abstrahierte, „idealisierte“ Realität. Der dafür nötige Grad an Detailtreue variiert und bestimmt letztendlich die Assoziationsräume, die sich dem Betrachter öffnen.

In Tobias Giemzas Roboter-Zeichnungen spielt der Menschheitstraum, oder eben auch Albtraum, ein eigenes Abbild zu schaffen, eine Rolle. Durch einen Roboter wird existierendes Leben nachgeahmt, er ist aber auch gleichzeitig künstlich. Giemza zitiert mit seinen Zeichnungen die Populärkultur, gerade da seine Roboter Darstellungen von Maschinen mit eigenem Bewusstsein, und nicht von Industrierobotern, sind.

Die Ausstellung Underlying Structure ist Teil einer Ausstellungsreihe der hamburger Off-Galerie nachtspeicher23, die den Austausch zwischen dem nachtspeicher23 und anderen Künstlervereinigungen und Kunsträumen pflegt. Im September letzten Jahres haben in der von Jakub Šimčik kuratierten Ausstellung Too close to touch die Leipziger Künstler Monique Ulrich, Neven Allanic, Timo Herbst, Nicolas Rossi, Frenzy Höhne, Sven Bergelt, Ya-Wen Fu und Jakub Šimčik im nachtspeicher23 ausgestellt.